Warum es eine Wunderfrage gegen Wut und Ärger gibt

wut und ärger

Eines Mal vorweg: „Ich kann mich ziemlich ärgern! Ich kann vor Ärger explodieren! Ich kann unglaublich wütend sein!“ Das habe ich wohl von meinem Vater mitbekommen.

Aber ich kenne auch Wege diesen Ärger so zu transformieren, dass andere Menschen dadurch keinen Schaden erleiden. Denn darum geht es hier!

In diesem Artikel erfährst du wie du Wut und Ärger nicht verdrängen musst, sondern einen Kanal finden kannst, damit das ganze dir und anderen nicht Schaden zufügt.

Viele machen den Fehler, dass sie ihren Ärger und ihre Wut unterdrücken. Das ist keine gute Lösung. Wenn du deinen Ärger unterdrückst, bekommst du nur Herzbeschwerden, Probleme und innere Blockaden.

Wut ist eine starke Energie

Wut und Ärger wurde uns von Mutter Natur mitgegeben. Sie hilft uns am Leben zu bleiben. Hätte die Gazelle keine Aggressionen zur Flucht, würde sie sofort vom Lösen verspeist werden. Genauso gut braucht auch der Löwe ein gewisses Potential an Wut und Aggression, damit er überhaupt Gazellen jagen und fressen kann.

Bei uns Menschen ist es ähnlich. Ohne dem Aggressionstrieb würdest du es nie fertig bringen ein Schnitzel oder auch einen Salat zu verspeisen. Denn zum Kauen brauchst du aggressive Kraft. Dabei ist es völlig egal, ob ein Stück Schwein oder ein Stück Salat sich in deinem Mund befindet.

Aggression hilft dem Individuum zur Transformation.

Sie gleicht einem Windstoß, der plötzlich ganz ohne Vorwarnung hereinströmt. Doch der Schein trügt. Der Wind ist zwar stark, doch er kann ganz leicht in ein flaues Lüftchen verwandelt werden.

So gibt es tatsächlich eine Zauberfrage, um geballte Wut und Ärger in konstruktive Kanäle zu transformieren.

Hab also kein schlechtes Gewissen, wenn du mal wütend auf

  • deine Kinder,
  • deinen Partner,
  • deinen Chef,
  • deine Mutter/Vater

bist. Schließlich bist du ja kein Heiliger, oder? Aber auch Heilige können sich richtig ärgern.

Wut und Ärger sind Ursachen für Depressionen

Die Folge vom Verdrängen von Wut und Ärger sind Depressionen. In unserer heutigen Zeit wird Wut als schlecht oder sogar böse angesehen. Doch ich kenne bislang keinen Menschen, der nicht auch manchmal wütend ist in seinem Leben. Aggression betrifft uns also alle.

Der renommierte Psychologe und MET-Therapeut, Michael Franke erklärt, dass verdrängte Aggression zu Depressionen führen können.

Frisst man den Unmut und Ärger ständig in sich hinein und unterdrückt ihn, werden Stresshormone und Neurotransmitter ausgeschüttet, die nicht gleich wieder abgebaut werden können. Das erzeugt miese Stimmung für dich und deine Mitmenschen. Das Schlimme daran ist, dass dieser Stress auf Dauer deiner Gesundheit schaden kann.

Es wäre doch sinnvoll, diese Wut in konstruktive Energie umzuwandeln, oder nicht?

Der erste Schritt besteht erst mal darin, dich selbst nicht zu verurteilen, wenn du wütend bist. Achte nur darauf, dass du dir selbst und andere nicht schadest.

Dazu möchte ich dir eine Geschichte aus meinem Leben erzählen:

Auch Heilige sind manchmal wütend

Ich war vor einiger Zeit Leiter der Jugenddrehscheibe in der Stadt, in der ich wohne. Diese Drehscheibe wurde vom städtischen Arbeitsmarktservice gegründet um Jugendlichen, die sich in der Gesellschaft etwas schwer tun eine Möglichkeit zu bieten, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Das war wirklich eine sehr gute Sache. Leider wurden die Fördermittel dieser Maßnahme im Jahr 2018 von der rechtsorientierten Regierung in Österreich einfach eingespart. Somit gibt es heute die Jugenddrehscheibe auch nicht mehr.

Ich betreute damals einen jungen Mann, der sehr viel Potential in sich trug aber auch viel unkontrollierte Energie hatte.

Eines Tages kam er zu mir und meinte, ob sich die Polizei bei mir schon gemeldet hätte. Verwundert fragte ich: „Nein! Warum?“ Er erzählte mir, dass er am Wochenende die Schwester seines Freundes geschlagen hätte und sie ihn bei der Polizei „anzeigen“ würde. Ich hörte mir seine Geschichte an und er fragte mich dann: „Wie soll ich damit fertig werden? Das kann ich mir nie verzeihen! Ich bin eigentlich nicht der Typ, der Frauen schlägt!“

Genau in dieser Situation ist mir Jesus eingefallen. Nein, im Ernst. Die Metapher von Jesus hat mir hier geholfen.

Ich erinnerte mich also an die Bibelpassage in der Jesus alle Menschen aus dem Tempel verjagt und die Einrichtung demoliert hatte.

Der junge Mann hörte mir verblüfft zu.

„Also wenn Jesus aus Wut schon mal den Tempel zu Brennholz verarbeitet hatte, dann darf doch auch mal ein 19-jähriger junger Mann, der keinen Job, null Ansehen, kein Selbstwertgefühl und nur Probleme hatte, schon mal ausrasten, oder?“

Und dann viel mir noch die Geschichte mit dem Stein ein. Du kennst sie sicher: „Werfe der den ersten Stein, der glaubt ohne Fehler zu sein!“

So schöpfte mein junger Freund wieder Kraft.

Ich sagte ihm aber auch, dass er seinen Mann stellen sollte und sich unbedingt bei der betroffenen Dame entschuldigen müsse. Außerdem sollte er lernen sich eine Frage zu stellen, bevor er das nächste Mal explodiert. Und hier kommen wir zu der Frage, die sein ganzes Leben transformiert hatte:

„Ist es mir wert?“

Ist es mir wert, dass ich mich über so eine Sache ärgere?

Wut und Ärger mit einer Frage auflösen

Die Minuten, die ich damit verbringe mich zu ärgern, sind danach vorbei und kommen nie wieder. Was bleibt ist aber der Schaden, den ich vielleicht durch meinen Ärger angerichtet habe. Ist es mir wert diesen Schaden für den Rest meines Lebens zu tragen?

2001 ist ein sehr guter Freund von mir durch einen betrunkenen Autofahrer gestorben. Mein Freund hinterließ eine Witwe mit 2 kleinen Kindern (2 und 4 Jahre alt). Bei der Gerichtsverhandlung traf ich den Alko-Lenker und er war ein Häufchen Elend. Er konnte der Witwe nicht in die Augen sehen und war gezeichnet für sein restliches Leben.

Waren es diese Bierchen wirklich wert, die du zuvor getrunken hast, mein lieber Freund?

Bitte verstehe mich hier richtig: dieser Mann war ein netter Kerl. Sehr gesellig und lebensfroh. Bis zu diesem einen Moment, an dem er unglaublichen Schaden angerichtet hatte. Wenn eine leise Stimme in dir sich meldet und dir sagt: „Tu das nicht!“, dann solltest du dieser Stimme folgen!

Genau das machte ich meinem jugendlichen Freund auch klar. Und er hat mich aus tiefster Seele heraus verstanden. Heute sind 10 Jahre vergangen und ich traf ihn neulich in einem Kaffeehaus. Er machte einen erfüllten und zufriedenen Eindruck. Wir begrüßten uns herzlich und er erzählte mir seinen weiteren Lebenslauf. Denn nach Ende seiner Kurszeit haben wir uns aus den Augen verloren.

Ich war wirklich verblüfft als er mir mitteilte, dass er die Ausbildung zum diplomierten Behindertenbetreuer gemacht hatte. Er hatte sich in seinem Beruf auf jene Menschen spezialisiert, die eine geistige Beeinträchtigung, gepaart mit unkontrollierten Aggressionen haben. Denn er habe verstanden was Aggressionen und Wut sind und vor allem, wie wir sie in den Griff bekommen können.

In mir stieg die Gänsehaut auf und ich war unendlich dankbar, dass ich damals die richtigen Inspirationen bekommen hatte!

Wenn du das nächste Mal wütend wirst, halte kurz inne und frage dich: „ist es mir wert?“ – die Konsequenzen für die Handlung, die ich aus meiner Wut heraus machen werde, zu tragen?

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